manchmal, da wird es mir zuviel. weil alle etwas von mir wollen. das telefon klingelt, schon wieder, und ein neues problem taucht hier auf, ein anderes dort. zu viel wird in meinem kopf abgeladen, was dort gar nicht hingehört, “tu das”, “tu dies”, “wir brauchen noch jenes”. da ein missverständnis, dort etwas unvorhergesehenes. dazu noch die ganzen dinge, die sowieso erledigt werden müssen. und in vielen momenten hört es sich meinem kopf dann ganz genau so an:


crossroads (what to do)
from Garvin Nolte on Vimeo. (via kekstester)

mehr arbeiten von garvin nolte sind hier zu finden.

dass die regenbogenparade ja eigentlich eine demonstration ist, bei der es um toleranz und rechte von schwulen und lesbischen menschen geht vergisst man gerne, weil natürlich gibt es musik und getränke und die ringstraße ist gesperrt, und ich sitze am rand der leeren straße, esse ein eis vom aida und warte bis die parade vorbeikommt und ich h. und b. treffe, die wie jedes jahr aus salzburg gekommen sind, und wir singen dann hie und da ein bisschen mit, quatschen und folgen den partytrucks bis zum schwarzenbergplatz.

Regenbogenparade'10

dieses jahr maschieren die gay cops austria ganz vorne mit, leider ohne originale uniformen, aber egal. jedenfalls bin ich froh, trotz allem in einem land zu wohnen, in dem menschen, die sich outen keine gesetzlichen strafen fürchten müssen, und dass das hier ein land ist, in dem man für seine haltungen und rechte demonstrieren darf, in dem man laut geben kann ohne sofort eingesperrt zu werden. man vergisst ja gerne dass das erstens nicht die regel ist und zweitens lange dafür gekämpft wurde, damit das möglich ist.

gleichzeitig wird es wohl noch lange dauern (oder in österreich auch nie stattfinden), dass bei der regenbogenparade zum beispiel eine delegation von schwul-lesbischen kindergärtnerinnen und kindergärtnern und lehrerinnen und lehrern mitgeht. oder eine delegation von schwulen priestern. weil es eben dann doch (noch) nicht so einfach ist mit “gay pride” in österreich.

Regenbogenparade'10

am 1. juli war am heldenplatz eine demonstration für eine menschenwürdige asylpolitik. auslöser ist das tauziehen um und die nun tatsächlich erfolgende abschiebung von familie zogaj. aber es gibt abgesehen von dem fall noch viele andere, und es zeigt sich, dass hier recht nicht gleich recht ist.

der oberste verfassungsgerichtshof entscheidet vor einigen jahren, dass in den zweisprachigen regionen kärntens die im staatsvertrag von 1955(!) angekündigten zweisprachigen ortstafeln aufgestellt werden müssen, doch es passiert immer noch nichts. kürzlich entscheidet der oberste verfassungsgerichtshof, dass  familie zogaj doch ausgewiesen wird  (wenngleich es immer wieder die möglichkeit des humanitären bleiberechts gegeben hätte, was das innenministerium jedoch ignorierte) und dieses recht wird nun stante pede umgesetzt.

zudem wirft man der familie vor, sich “unzulässig integriert” zu haben, weil sie ja unzulässig in österreich war, die familie, und sich während der zeit eben sozial integriert hätte, und somit sei die integration natürlich auch unzulässig erfolgt. und überhaupt gäbe es ja im kosovo gute psychiater bei denen sich die psychisch schwer angeschlagene mutter in behandlung begeben könne.

so geht das bei uns hier in österreich.

Demo für menschenwürdige Asylpolitik

bei der demonstration wird eine botschaft von elfriede jelinek abgespielt, und es handelt sich dabei um diesen sehr guten text. auch sonst sind die ansprachen vernünftig (was ja bei demonstrationen die per se gern ins parolenhafte kippen keine selbstverständlichkeit ist). nur hatte ich mir mehr menschen erwartet.

und dabei fällt mir ein, dass ich noch googeln muss, ob österreich das einzige land ist in dem man asylwerbern während ihr asylantrag läuft verbietet zu arbeiten, mit ausnahme der ausübung des gewerbes der prostitution.

als ich einige stunden später durchs museumsquartier gehe, sind dort gefühlt beinahe mehr menschen als vorher bei der demonstration, aber naja.

A Night At The Museum(squartier)

am freitag, auf dem weg zum bahnhof st. pölten. ein junger mensch in voller rugby montur samt schulterdings und helm radelt auf einem viel zu kleinen fahrrad an mir vorbei. wenig später steht eine ente am bach und quakt, genauso und an der gleichen stelle wo  sie es schon getan hat als ich stunden vorher in die andere richtung vorbei gegangen bin.

warum machen menschen kunst?

(suche nach erklärungsansätzen aus evolution, biologie, psychologie und philosophie. und von euch persönlich. buchtitel, kommentare, alles.)

((ich hab damit nichts spezielles im sinn. ich stoße nur immer wieder persönlich auf die frage und will wissen, was ihr dazu denkt.))

heute ist der längste tag des jahres. draußen ist es dunkelgrau und es hat 15 grad, des nächtens brauche ich eine decke zusätzlich. ab morgen wird es finsterer. ich habe eine sehnsucht nach dem norden, wo jetzt die nacht nur vier stunden beträgt und bis nach mitternacht das licht am horizont steht. die schweden essen heute heringssalat, frühkartoffeln und erdbeeren mit schlag. sie trinken aquavit, singen ein merkwürdiges froschlied wenn sie um den maibaum hüpfen und sind überhaupt ein freundliches völkchen.

ich war zu lange nicht dort.

“frau affectionista! ich hab sie am wochenende im fernsehen gesehen!!” ruft meine steuerberaterin durch den hörer, als ich sie wegen etwas kompliziertem anrufe. ich so: “was? wo?” und da fällt es mir ein: ich war etwas eine halbe sekunde im bild, als in den seitenblicken über das sommerfest einer filmproduktionsfirma berichtet wurde. “gut haben sie ausgeschaut!” meint meine steuerberaterin noch, bevor wir uns der eigentlichen sache zuwenden. irgendwie finde ich das amüsant. aber auch merkwürdig.

ich kam nicht umhin mir die schwedische kronprinzessinnenhochzeit anzuschauen. auf schwedisch, im internet. und ich muss zugeben – rührung galore. (andererseits heule ich ja schon bei der merci werbung los.)

diese rede, die der nunmehrige prinz daniel, im früheren leben fitnesstrainer, seiner angetrauten kronprinzessin viktoria gehalten hat, die war dermaßen voller liebe und überhaupt – ich krieg mich gar nicht mehr ein. und muss sofort zum dvd regal stürzen und die kostümfilme herausziehen, um weiterzuschwelgen. (”the young victoria” behandelt zwar ein anders königshaus in einer anderen zeit, wäre aber ein guter anfang.)

ich kenne ein, zwei menschen in meinem umfeld, die mit familienratssitzungen, politischen diskussionen, gesprächen über geschlechterrollen und sonstigen debatten am esstisch aufgewachsen sind. alle anderen sind damit genau wie ich nicht sozialisiert worden.

das artikulieren von unbehagen, das einnehmen von positionen, das besitzen von haltungen, das aufstehen und sich dafür einsetzen, das ist alles neu für mich. es macht mir angst, ich habe keine übung darin.

aber ich habe angefangen. am wochenende, als die debatte um das neue orf-gesetz hochgeschwappt ist und sich anhand der einstellung der futurezone zeigte, dass hier qualitätsjournalismus gegen onlinewerbeeinnahmen getauscht wird. ich habe mails an die verantwortlichen politiker und an die orf- und vöz-verhandler geschrieben. ich habe getwittert und links auf facebook gepostet. und weil das andere auch getan haben gab es einiges an berichterstattung. verhindert werden konnte die einstellung der futurezone nicht, aber immerhin wurden die argumente gehört.

vielleicht wirkt das für manche lächerlich, aber für mich ist das ein großer schritt, eine haltung einzunehmen und sie öffentlich zu artikulieren. ich fühle mich angreifbar und habe angst, keine instrumente zur verteidigung zu haben, wenn zurückgeschossen wird. aber ich werde das lernen, hoffentlich.

und heute musste ich gleich wieder ein e-mail schreiben. diesmal an die geschäftsführer der firma die diese kleinen sackerl mit werbeprospekten an unsere wohnungstüren hängen. in dem sackerl von gestern war ein flyer für diverse nachtclubs in znaim. samt zimmerpreisen, nackten frauen und der bewerbung von “vibrator- und lesbo-shows”. ich finde, eine so offene bewerbung von prostitution hat da nichts zu suchen, vor allem nicht in einer werbeform, die ohne einschränkung kindern und personen, die sich davon belästigt fühlen, zugänglich ist. das habe ich sowohl den herren geschäftsführern (in deren firma es laut homepage nur eine einzige frau gibt) als auch dem österreichischen werberat gemailt. inklusive eines links zu einem artikel über die situation der prostituierten in znaim und umgebung.

nur zur information: ich verrate meine figuren und ihre geschichten nicht. (das muss jetzt keiner verstehen, es handelt sich um etwas berufliches.)

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ich habe neue nachbarn. unter mir wohnt für zwei tage jemand aus der sackbauer-dynastie. (aber muss das denn sein, dass mich der beruf auch noch zu hause besucht?)

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es gibt ansonsten wenig zu berichten. ich bin langsam. ich lese, manchmal spiele ich klavier, ab und zu treffe ich mich mit freunden. es fließt mit kleinen ausnahmen alles so dahin. endlich.

beim aufräumen des büros (ich lasse ja zur zeit keinen ort aus, aufräumtechnisch) einige uralte backup cds gefunden. darauf meine diplomarbeit, von der ich dachte, sie würde nur mehr in einer einzigen fotokopierten gebundenen version existieren. dazu noch viele dateien aus dem studium, und die von der zeit am theater zwischen 1996 und 2000. requisitenlisten, seminararbeiten, faxkorrespondenzen. nicht alle dokumente lassen sich öffnen, aber einige schon. auch fotos, fast 10 jahre alt.

die zeit vergeht.

der plötzliche ausbruch des sommers hinterlässt mich ratlos und verschwitzt.

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ich wohne hier seit drei jahren und werde nun endlich den begrünten innenhof erobern. jetzt, wo er verwildert ist und die pumpe läuft, die das wasser in dem winzigen künstlichen teich plätschern lässt.

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man soll keine entscheidungen treffen wenn man sich ärgert. deswegen bleibe ich in meiner wohnung. in meiner wohnung, die ich eigentlich sehr gerne mag, und die alle sehr gerne mögen, die mich besuchen kommen. das straßenseitige ist der einzige makel. aber sonst ist es ja wirklich eine wohnung, die ich sehr mag.

schon wieder die träume von wohnungen, die mir nicht gehören, in denen ich nur geduldet bin, vom wohnungssuchen und so fort.

das internet schlägt als interpretation vor “welche anteile meines selbst habe ich in besitz genommen?”.

ich gehe mich jetzt also finden.

beim ausfüllen eines onlineformulars:

“bitte geben sie zum schutz ihrer daten das im bild wiedererkennbare wort ein.”
ich tippe ein was da steht: “HIRN”.

gefunden in einem alten notizheft: “do not speak unless you can improve the silence.”

(es stellt sich heraus dass dieses in der tat sinnstiftende zitat aus der aschenputtelverfilmung “ever after” mit drew barrymore stammt. obgleich im kontext ironisch gemeint entbehren diese worte doch nicht einer gewissen seriosität.)