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ich beschäftige mich ja seit einiger zeit immer mehr mit feminismus, gleichstellung, ungleichstellung, gender und wie sich das alles in der karriere auswirkt. schuld daran ist unter anderem der fc gloria, ein zusammenschluss österreichischer filmemacherinnen. das hat mir die augen geöffnet für das was da oft hinter den kulissen vorgeht. ich selbst erlebe in meinem beruf auch manchmal ein autoritätsgefälle – dass ich nicht ernst genommen werde weil ich eine frau bin. aber zum glück geschieht das eher selten und zum noch größeren glück habe ich mich ganz gut etabliert und bin nicht auf jeden auftrag angewiesen.

merkbar ist es eher im kleinen. in den halbsätzen wenn man weibliche charaktere im drehbuch diskutiert, in den kleinen spitzen wenn man als frau in einer filmjury für einen film stimmt der von einer frau gemacht wurde. aber ich kenne zahllose andere geschichten. die von der kamerafrau die aus österreich wegging weil sie hier kaum jobs bekam weil sie eine frau ist. und so weiter.

kompliziert und tragisch wird die sache in meinen augen aber besonders dann wenn es frauen sind die gegen frauen arbeiten. das beginnt bei kleinen aussagen von frauen wie “also mir macht das gar nichts wenn wer einen witz gegen frauen erzählt”, geht über das mitspielen von frauen wenn der boss sie im job “mäuschen” nennt und sie permanent mit einem “uups ich war ja schon wieder politisch unkorrekt” lächeln objektiviert und klein macht und endet im großen wenn frauen die in wichtigen positionen für gleichstellung verantwortlich sind auf der seite der männer kämpfen obwohl die fakten für die frauen sprechen.

hier nur ein beispiel aus dem österreichischen filmbusiness: auf der wiener filmakademie gibt es keine profesorinnen, überhaupt unterrichten dort nur 27% frauen. bei jeder neubesetzung einer professur gäbe es eine chance das zu ändern, aber sie wird konstant nicht wahrgenommen. wie neulich wieder. in so einer situation passiert dann auch noch folgendes:

Eine gepfefferte Antwort erhielten die Netzwerkerinnen von der Gleichstellungsbeauftragten Ulrike Sych: “Sehr höflich” ersuchte Sych, “im Namen aller karrierefähigen Frauen in Zukunft Ihre feministische ,Gschaftelhuberei‘ zu unterlassen.” Alberts Berufung würde umgekehrt “eine Diskriminierung aufgrund des Geschlechts (in diesem Fall männlich) ergeben.”

es gibt noch sehr viel zu tun, an allen ecken und enden, im großen und im kleinen. und falls hier eine österreichische filmschaffende mitliest: informationen zur mitgliedschaft bei fc gloria gibt es auf der website unter der mailadresse am ende der homepage.

jetzt ist es schon nach mitternacht, aber diese videosammlung zum frauentag erfreut hoffentlich trotzdem noch eure herzen.

so, zuerst mal für den richtigen soundtrack sorgen. das lied wird auf fm4 grad rauf und runter gespielt und vom orf sogar zur hymne des diesjährigen frauentags ausgerufen. (ach, die großartige amanda palmer…)

und weiter gehts mit film, funk und fernsehen. habt ihr schon einmal den bechdel test gemacht? ihr wisst nicht was das ist? hier wirds erklärt:

und jetzt die reinkarnation des männlichen schlechthin, daniel craig und die frage “are we equal?”. grandios.

und hier noch ein video über die tollen erfindungen die viele frauen gemacht haben ohne dass wir es wissen (aber wo sind da hedy lamarr und ada lovelace?). ein wenig zwiespältig finde ich das schon, weil sich nicht alle “modernen” frauen aussuchen lächelnd der mehrfachbelastung kind, arbeit, haushalt und freizeit anheim zu fallen. aber dennoch:

was ich von dem hier halten soll weiß ich noch nicht genau. irgendwie ist das saugut, aber irgendwie auch ziemlich merkwürdig. aber eins ist sicher: der helmut newton mit seinen nackerten bauhausmodels damals in den 1980ern(?) hätte für seine werbefotos lieber diese frauen abbilden sollen. und equal pay day ist sowieso ein wichtiges anliegen.

so, das wars vorerst. ich hoffe wir sehen uns am 19. märz bei der großen frauendemo um 14h am schwarzenbergplatz!

und hier noch ein bisschen lektüre: mädchenmannschaft, mädchenblog, missy magazine – jeweils mit langen blogrolls zum weiterlesen.

500 Photographers, which I’ve been really enjoying following, as far as I can tell, has only covered 17 women out of the 94 photographers it’s so far covered. That’s 18 percent. Now, I’m not blaming the author of the blog. I think it’s a great undertaking, and as I’ve said, I’m really enjoying it, for one. The fact is photography is dominated by men. Although women have been using cameras ever since their invention, they just don’t seem to stick around in the canon in the same numbers as men. Just look at Magnum’s group photo from its annual general meeting in June. There are 3 women. Out of 38 full members, that’s 8 percent. Not even 10 percent. And that’s rounding up!

das ist ein zitat aus einem innerer monolog über die komplexe frage der repräsentation von photographinnen in photobüchern und -websites. sind sie unterrepräsentiert? antwort: meistens ja. die zahlen sprechen für sich. und zwar nicht nur beim photographieren, sondern – das weiß ich aus erster hand – auch in filmberufen wie kamera und schnitt, in regie und drehbuch. in der ausbildung sind dort die frauen meistens noch besser repräsentiert, später ebbt es radikal ab. manchmal hat es unter anderem mit der entwicklung der technik zu tun, dass frauendominierte berufe wie schnittmeisterIn innerhalb der letzten jahre zu männerdominierteren werden. oft aber mit seilschaften. ich weiß von einer kamerafrau, die österreich verließ nachdem sie zwei projekte nicht bekam weil sie kein mann war und man sie das auch spüren ließ. jetzt lebt sie woanders und arbeitet an vielen spannenden filmen.

abgesehen davon gibt es noch ein meer an weiteren fragen, die mit feminismus, seilschaften, gleichberechtigung, wahl der mittel zum erfolg, dem unterschied zwischen quoten- und alibifrau, alten mustern, der frage nach der unterschiedlichen abbildung der menschen vor der kamera, und mit diversen anderen dingen zu tun haben. das thema ist sehr komplex und sehr persönlich. und das gefällt mir an dem artikel oben so gut: dass er immer subjektiv bleibt und die fragen, die ich mir auch immer wieder stelle fast naiv aufzählt und die komplexität der antworten einkalkuliert. und dass die autorin nicht zu einer großen conclusio kommt, sondern zu einigen feststellungen. und zu noch mehr fragen. genauso wie es mir bei diesem thema auch geht.

am ende des artikels wird auf einige photographinnen verlinkt, von denen ich die arbeit “edith und len” von kaylynn deveney besonders mochte. laura pennaks portraits sind mir neulich bereits untergekommen. und auch die arbeiten von jen davids, dort besonders ihre selbstportraits. die privatheit von kate hutchinsons serie “why am i marrying him” mag ich. die autorin des posts fügt in den kommentaren noch eine weitere liste mit photographinnen an.

und am ende noch ein kleiner exkurs zu einem artikel, den ich in den kommentaren des obigen postings gefunden habe. dort geht es um zahlen aus dem britischen literatur- und kunstbetrieb. und um die fragen die sich daraus ergeben:

When discriminators are challenged they produce snivelling fudges and sideswipes. Ceri Thomas, editor of Today, denies that sexism is behind the programme having one woman out of five presenters and one woman out of every 10 contributors. What is it then? The whim of the Gods?

sehr lesenswert, der artikel.

vorgestern war equal pay day. das heißt bis vorgestern haben frauen mehr gearbeitet, um den einkommensunterschied zu den männern aufzuholen. dreieinhalb monate lang mehrarbeit um auf die summe zu kommen, die männer bis 31..12.2009 verdient haben.

nicht nur dehalb eine leseliste:

missy magazin. aber bitte nicht nur das blog, auch die printausgabe lesen.
mädchenmannschaft.
feministing.
die standard.

und viele mehr, die meisten blogs haben lange linklisten.

hier noch eine ausstellung, die gerade läuft: feminine fifties (wien, museum postsparkasse) und ein artikel darüber, dass britney spears bei ihrem aktuellen fotoshooting verlangt hat, dass die bilder von ihr vor und nach der fotobearbeitung gezeigt werden.

dass frauen “nein!” sagen wenn sie eigentlich “ja!” meinen ist einer dieser unglaublich dummen mythen, die sich hartnäckig halten und immer noch als ausreden verwendet werden, um etwas gegen den willen eines anderen menschen zu tun.

jede frau, die schon mal in so einer situation war kann das bestätigen. und damit meine ich zum beispiel auch eine flirtsituation, die ins unangenehme kippt, weil ein “nein!” nicht verstanden werden will. und natürlich meine ich damit auch situationen, die körperliche und intime grenzüberschreitungen beinhalten. es ist und bleibt für mich immer eine form von gewalt und macht, das “nein!” des gegenübers zu negieren.

wenn ich mir ein 13jähriges mädchen vorstelle, das von einem sehr viel älteren mann mit drogen und alkohol befüllt wurde, das diesem mann deutlich ein “nein!” entgegen stellt, das trotzdem mit ihm sex haben muss, und dieser mann sich dann aus dem staub macht, in einem funktionierenden rechtssystem, dann ist mir das auch egal, wie prominent der ist, dann muss diese grenzüberschreitung in einem funktionierenden justizsystem doch zu ahnden sein.

da ist es mir egal, ob es damals unstimmigkeiten im prozess gab, ob der mann inzwischen preisgekrönte filme gemacht hat, ob das mädchen, mittlerweile erwachsen, keinen prozess will (übrigens um ihr privatleben zu schützen und nicht, weil sich irgendetwas an den vorwürfen von damals auch nur im geringsten geändert hätte).

denn ein “nein!” ist ein “nein!”, und das ist eine der wichtigsten lektionen, die man kindern beibringen sollte. sowohl das “nein!”-sagen als auch das “nein!”-respektieren.

und hier noch eine kurze zusammenfassung der wichtigen argumente in dem fall polanski:

über einen ähnlichen, gefährlichen und entwürdigenden mythos schreibt gingerbox, bei der ich auch das video oben gefunden habe, und hier gibt es einen guten artikel auf salon.com.

Blog Kalman

das blog von maira kalman in der new york times ist einfach schön. und persönlich. im aktuellen eintrag geht es um das gericht und um frauenrechte, unter anderem.

“i return to the court to hear justice ginsburg speak to law students. and in answer to the question “how does it feel to be the only woman in the court?” she answers simply, “lonely.”

aber auch ein eintrag davor ist so schön, über obamas inauguration. und überhaupt das ganze blog.

p.s.: solange sich eine frau in ihrem beruf einsam fühlen muss, weil sie die einzige unter lauter männern ist, und das im jahr 2009, ist es eben immer noch nicht vorbei mit dem dafür einstehen müssen, mit dem feministisch sein, mit der emanzipation.

jemand sprach laut seine gedanken aus, letzte woche, beim fortgehen in graz. er habe mein drehbuchlektorat gelesen, meinte er. ich hätte mich ja positiv geäußert zu dem drehbuch, hat er gesagt. sein erster gedanke war, ob ich etwa eine affäre hätte mit dem drehbuchautor.

dass ich in dem lektorat zur conclusio gekommen war, dass es hervorragend geschrieben und handwerklich gut strukturiert sei, aber auf grund der hauptfigur wohl dennoch keine zuseher finden würde, dass ich also sehr wohl differenziert und wie immer professionell abgewogen hatte, das ließ er, der mit dem drehbuch offensichtlich nichts anfangen konnte, außer acht. bleibt die frage, ob er mir auch eine affäre angedichtet hätte, wenn ich ein mann wäre.

den drehbuchautor kenne ich übrigens persönlich gar nicht. nie begegnet. niemals. aber das scheint ja nichts zur sache zu tun. es ist einigermaßen kurios, das alles.

perfect beauty can only be archieved with an airbrush.

video über das retouchieren von fotos in printmagazinen. interessante beobachtung: ein gemälde wird als kunstwerk rezipiert. ein foto, so retouchiert es auch sein mag, immer noch als realität.
(via swissmiss)

bush leaving

(via design crush)

sad guys on trading floors, ein weblog mit fotos von den verzweifelten kerlen in den börsen. es sind übrigens wirklich fast nur männer darauf zu sehen. was mich an diesen artikel erinnert, in dem es darum geht, dass männer ihren job eher als spiel sehen – eine eigenschaft, die sich frauen aneignen sollten, wenn sie in einer männerdominierten arbeitswelt mitspielen wollen. dieselbe botschaft, die mir von einer coachingfrau in einem sehr guten verhandlungsseminar beigebracht wurde. die zockermentalität lässt zwar im großen gerade eine ganze weltwirtschaft zusammenbrechen, hat im kleinen betrachtet aber auch vorteile, weil sich dadurch zum beispiel niederlagen viel leichter verschmerzen lassen.

das herumschlagen mit diversen online synonymwörterbüchern bringt die geschlechterdifferenzen sowas von zu tage, dass einem das kotzen kommen kann. natürlich finde ich kaum synonyme für “heldin”, wohl aber für “held”, dort wiederum dann auch weibliche angebliche synonyme wie “primadonna”. und bei der suche nach alternativen für “herrin” kommen bei den usereinträgen bumsbiene, pussy, schnitte und blasehase, bei den usereinträgen für die synonyme von “herr” hingegen kerl, macker und krone der schöpfung.-

sociological images weist auf werbung, bilder, schilder und alles andere hin, das man oft übersieht und bei dem es sich durchaus lohnt, es zu hinterfragen. dieses posting über wegretuschierte mädchen aus einem foto in einer ultra-orthodoxen israelischen zeitung zum beispiel ist interessant.

und es lohnt sich auch, bei miss tilly öfter mal reinzuschauen.

während ich wäsche aufhänge läuft im fernsehen ein portrait über frida kahlo. die off-stimme erläutert, dass ihr mann viele affären hatte. er konnte sich anderen frauen nicht entziehen, hieß es dann.
sich eines seitensprunges nicht entziehen können? es sollte wohl eher heißen, er wollte sich nicht entziehen, oder er entzog sich nicht. letzteres wäre immerhin eine neutrale feststellung. aber sich nicht entziehen können, das unterstellt ja, dass man sich einen seitensprung mal eben so unversehens einfängt wie einen grippevirus. ohne entscheidungen zu treffen, ohne wirklich beteiligt zu sein. dabei gäbe die deutsche sprache das doch her, dem subjekt dieses satzes seine verantwortung zu übertragen.

dieser artikel (via ppt) weist ärzte aller fachrichtungen auf die wirkungsweise der “pille danach” hin. dass die nebenwirkungen sehr gering sind. dass es sich nicht um einen schwangerschaftsabbruch handelt. und dann der absatz, in dem darauf eingegangen wird, dass die verfügbarkeit der pille danach laut einiger studien nicht zum lasterhaften herumvögeln (i.e. “promiskuität und unverantwortlicher umgang mit sexualität”) führt.

warum muss man im jahr 2008 immer noch durch studien belegen und extra anmerken, dass die verschreibung der pille danach nicht zum schlampentum führt? ich bin heilfroh, dass ich dieses medikament noch nie benötigt habe, wenn ich mir die erzählungen von freundinnen anhöre, die sich in aufgewühltem zustand nach einer verhütungspanne bei einem arzt erkundigt haben und arrogant und ohne rezept wieder heimgeschickt wurden bzw. von apothekern im vorfeld keine auskunft über die verfügbarkeit bekommen haben (“hätten sie halt besser aufgepasst”). dass man sich die moral von frenden menschen auf die nase binden lassen muss, dass es immer noch der aufklärungen bedarf, die in dem artikel aufgeführt sind, dass eine medizinische frage mit einer moralischen bewertung einher geht, wo es sich doch in keinster weise um eine abtreibung handelt, sondern um eine empfängnisverhütung. dass andere menschen das recht haben, das für einen zu bestimmen. dass man es nicht selbst in der hand haben darf. im jahr 2008.

ich bin als ehefrau ungeeignet. wenn man nach dieser tabelle geht. (und jetzt geh ich ein “linke emanze” tshirt kaufen. nämlich.)