Archives for category: die kunst

nach meiner zeit als regieassistentin bin ich ja jahrelang nicht mehr ins theater gegangen. und wenn doch, dann musste ich die ersten 15 minuten meine assitentinnenreflexe bekämpfen. selbst in einem theater in dem ich vorher nie war und bei einer inszenierung mit der ich nichts zu tun hatte fielen mir fehler beim lichtwechsel oder bei den requisiten und im bühnenbild auf und ich konnte mich nur schwer auf das stück konzentrieren. ganz schön anstrengend, so eine berufskrankheit.

mittlerweile gehe ich ab und zu doch wieder hin, wobei ich das klassische guckkastenbühnentheater nur so mittelinteressant finde. außer es ist sehr intelligent gemacht, und da hatte ich neulich glück. ich habe mir “der garten” von anja hillinger im schauspielhaus angesehen. darin treffen ein rockstar und eine konzertkritikerin aufeinander, im hintergrund dann menschen die aus meinem erweiterten freundeskreis stammen könnten (die redaktionschefin, der musikkritiker, der ewige student und die ganzen anderen verlorenen seelen mitte 30). der text ist unglaublich präzise und gut beobachtet. wirklich angefixt hat mich die inszenierung von felicitas bruckner, die eine schere aufmacht zwischen dem was die figuren sprechen (die noch dazu abwechselnd sie selbst sind und dann wieder erzählerpositionen einnehmen) und dem was sie tun. das ist komplex und großartig. leider wurde es im letzten drittel dann etwas wirr und für meinen geschmack auch zu laut auf der bühne, aber insgesamt war das ein sehr guter abend. ich mag kluge und durchdachte sachen, die sich nicht in geschwurbel verlieren sondern als präzise statements über das eigene leben im raum stehen bleiben.

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gestern dann kontrastprogramm – theatersport im tag. ich war noch nie bei so einer veranstaltung, und es war ein großes vergnügen. wobei überraschenderweise ganz zu beginn obige berufskrankheit zurück gekommen ist – bei der ersten improvisationsrunde habe ich mich so gestresst gefühlt als müsse mir jetzt etwas einfallen und als müsste ich jetzt selbst improvisieren, obwohl das nur die schauspieler auf der bühne mussten. manches ist so tief in mir verwurzelt, das wird sich nicht so schnell ändern. später habe ich dann realisiert dass ich das publikum bin und diese form von empathie jetzt zu viel des guten ist. dann konnte ich es auch genießen.

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jedenfalls gut dass ich wenigstens wieder hingehe, ins theater. sonst würde ich etwas versäumen.

nach einer übermacht an filmen müssen andere dinge in meinen kopf hinein. schöne sachen, wie die zeichnungen von dadu shin. hier, auf ihrem(?) weblog.

und ich will unbedingt einen usbstick aus beton. weil der wunderwunderschön ist. schaut, hier:

und dann gibt es noch die merkwürdigen schönen illustrationen von eleanor davis:

und was befindet sich so in euren köpfen?

luzinterruptus: radioactivity controls, 2011

luzinterruptus: radioactivity controls, 2011

installation von luzinterruptus: radioactivity controls. mehr bilder hier.

katharine morling macht skizzen von den dingen die sie umgeben. in keramik. lebensgroß.

(via daily art muse)

einfache idee, große wirkung: die rgb tapete

designed by carnovsky, derzeit zu sehen in der johanssen galerie in berlin. (link via creative review)

der zeichnet das auf post its. (bleistift und post its! unglaublich!). john kenn heißt der mann.

ein fetter affe aus flip flops. mehr bei klick aufs bild. (via rebelart)

(jetzt weiß ich nicht, ob ich das schon mal verlinkt habe, aber egal.)

kunst erklären ist ja nicht so einfach. sie den eigenen eltern zu erklären ist noch komplizierter. die künstler lernert & sander haben diese tatsache zum anlass genommen, künstler und ihre eltern an einen tisch zu setzen. die künstler müssen den eltern erklären was sie da tun. und das ist manchmal ganz schön schwierig, zum beispiel, wenn die kunst darin besteht, ein bier zu brauen.

es gibt da übrigens noch viel mehr videos von lernert & sander.

s. nimmt mich ins theater mit, weil sie karten für heiner müllers “philoktet” ergattert hat. die waren nämlich sofort weg, trotz des abgelegenen ortes (landestheater st.pölten). weil der bierbichler mitspielt vermute ich.

wir kurven also hin, finden die parkgarage und blicken auf eine fast leere bühne, auf der nichts steht außer drei schwarzer kaffeehausstühle. und das passt ja auch wie sich herausstellt, denn der neoptolemos sitzt ja auch gewissermaßen zwischen den stühlen wenn er für odysseus das lügen lernen muss.

im programmheft steht “philoktet: gotscheff, neoptolemos: finzi, odysseus: bierbichler, regie: keine”, und ich bin wie immer fasziniert, wenn theater das leistet, was es am stärksten kann: sich auf den text konzentrieren und für alles andere, äußerliche die phantasie bemühen. nirgends funktioniert das behaupten so gut wie auf einer leeren bühne, und wenn die drei schauspieler im grunde eine probensituation nachempfinden, die regieanweisungen für die actionszenen nur vorlesen (“schwertkampf”) und sogar das sterben bloß durch das ablegen eines mantels symbolisiert wird, dann ist für mich das theater bei sich selbst angekommen.

natürlich funktioniert das nur mit schauspielern, die genug mumm haben sich auf den text zu verlassen. das gelingt für mich dann auch nur so halb, gotscheff deklamiert mir zu viel, und finzi wirkt ein bisschen blass (obwohl: sehr gut besetzt finde ich). der bierbichler ist der einzige, dem ich jeden satz glaube. der meint den spröden text, und bei ihm verstehe ich, was sich da innerlich in der figur abspielt. offenbar genügt das dem p.t. publikum nicht, denn beim hinausgehen höre ich hinter mir ein älteres ehepaar diskutieren. er sei sich unschlüssig was er davon halten soll, meint der mann. und dann noch vorwurfsvoll über den bierbichler: “ein bayrischer odysseus!”. ja, mei.

hier gibt es zehn gemälde, die man in einer auflösung von einigen milliarden pixel anschauen kann.

so schaut das aug’ von der eleonora di toledo aus:

eleonora di toledo
(via boingboing)

am tag zwei des experiments “urlaub daheim” greift die rastlosigkeit weiter um sich und hat den guten nebeneffekt, dass das kastl unter der abwasch aufgeräumt ist, das sideboard in der küche ebenso, und der alibert im badezimmer. das schlafzimmer habe ich auch umgestellt.

so. und jetzt? ganz komme ich irgendwie nicht runter, aber das geht mir im urlaub weiter weg genauso.

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am tag drei fahre ich mit b. nach krems, weil die ausstellung in der kunsthalle so toll sein soll. mein vater erzählt mir später am telefon, dass die ganz schlechte kritiken bekommen hätte (also nicht unbedingt die ausstellung, eher die sammlung olbricht, aus der die ausstellung kuratiert ist).

“liebeslust und totentanz” ist das thema, und das bild das der aufmacher auf dem plakat ist mag ich dann gar nicht, aber sex sells eben. gleich die ersten beiden räume beim eingang sind ganz nach meinem geschmack: die nachempfindung einer wunderkammer, und die zusammenstellung der werke macht auch noch sinn.

exkurs: mein größtes problem bei ausstellungen ist ja die beliebigkeit bei der auswahl und präsentation der werke. oder so intellektuelle konzepte, dass sie völlig unzugänglich sind, aber das fremdwortreservoir eines gesamten jahres im zweiseitigen katalogtext aufbrauchen. zahlreiche enttäuschungen pflastern meinen ausstellungsbesucherinnenweg.

wenn nun in dieser ausstellung verschiedenste totenköpfe durch vier jahrhunderte in gemälden und artefakten ausgestellt sind, so stellen sich plötzlich bezüge zwischen dem 21. und dem 17.jahrhundert her, an die ich nie gedacht hätte. das macht mir spaß. zugänglichkeit heißt eben nicht zwangsläufig banalität.

sehr faszinierend finde ich die chinesische wunderkugel aus dem 18. jahrhundert. eine elfenbeinkugel von ca. 10 zentimeter durchmesser mit griffen dran, alles kunstvollst und beinahe mikroskopisch klein verziert. der trick ist jetzt der, dass sich im inneren der kugel – das sieht man durch verzierte löcher der außenkugel – 20 weitere, voneinander unabhängige verzierte kugeln befinden, die wiederum mit löchern versehen sind, sodass man weiter hineinschauen kann. die wärterin holt eine kleine taschenlampe und leuchtet hinein, damit wir die inneren kugeln besser sehen. das war ein spielzeug für reiche kinder, erklärt sie uns, und das ziel war es, die kugeln so zu bewegen, dass die löcher übereinander stehen.

die ausstellung geht thematisch sortiert weiter, und auch wenn man einige der unterthemen nur mit mühe dem hauptthema “liebeslust und totentanz” zuordnen kann, so macht das alles großteils sinn und ich entdecke einige wirklich interessante werke. eine tendenz mag ich nicht wirklich: die bilder, die den altherrenphantasien entspringen, wie das bereits benannte bild “shades of olympus” von terry rodgers.

ich belausche ein gespräch des nervigen älteren paares vor uns. sie erklärt ihm bereits seit eineineinhalb stunden lehrmeisterinnenhaft jedes detail der einzelnen ausstellungsstücke und trumpft vor dem (ihrem?) mann mit ihrem wissen über kunstgeschichte auf, als sich eine diskussion über die ideale frau entspinnt. anhand dieses bildes meint der mann, dass die frau die im zentrum des gemäldes abgebildet ist den idealen körper habe. es geht hin und her, bis sie einlenkt, dass die abgebildete frau zumindest schön sei. hm.

b. und ich üben uns hingegen in statistik: wir zählen auf dem bild 6 männer, von denen 4 komplett angezogen sind, einer hat einen nackten oberkörper und einer ist ganz nackt. weiters befinden sich 6 frauen auf dem bild, davon tragen alle nichts außer unterhöschen und teilweise strapse, bis auf paris hilton, die sich links außen im bild befindet. sie trägt zusätzlich einen bh. nunja. diesbezüglich gibt es noch andere werke, die ich streitbar finde, zum beispiel ein gemälde, das den berühmten kuss zwischen britney und madonna bei den mtv awards abbildet. (ich finde gerade den titel nicht). das gemälde hat keine besondere aura, keinen doppelten boden, außer dass es in rottönen und etwas stilisiert den moment abbildet. und so weiter.

aber großteils ist die ausstellung ein wirkliches vergnügen mit vielen entdeckungen. sie läuft noch bis 7. november in der kunsthalle krems.


umbra von malcolm sutherland (via drawn!)

die ganze geschichte ist hier: back to earth (von andrew rae).


scanner von matej kren (via boingboing). video der installation. mehr von matej kren


strandkunst von nespoon (via rebel:art)


strandkunst von jim denevan (via pia jane bijkerk)