Archives for category: das leben

einen text für hier geschrieben, ihn für nicht publizierbar befunden, er ist zu privat. nur so viel: mein leben scheint ein loop zu sein, nein, eher eine spirale. einige freunde von ganz früher treten gerade wieder darin auf, und das ist eine sehr schöne angelegenheit. unschön hingegen das gefühl des lebens in einem verunsichernden zwischenstand das ich seit wochen habe. ich stolpere dahin und ich habe überhaupt keine ahnung wo das hinführen soll und wie das alles gemeint ist mit den gefühlen und allem. aber rückblickend war alles bisher immer richtig, auch die verwirrungen. hörst du, meine liebe, immer, immer ist das so. also reg dich nicht auf.

silje nergaard – be still my heart

(so viel musik von früher die mir gerade wieder in den sinn kommt. schöne lieder sind das.)

im gegensatz zu den letzten malen sagt mir miranda julys orakel heute endlich etwas tröstliches voraus:

don’t worry my dear, it is ok to feel blurry. in fact today is the perfect day for it. bring nothing into focus.

gut, abgemacht.

zur zeit viele gespräche mit freundinnen über die liebe; rundherum herrscht ein diesbezüglicher kummer. wir trinken noch ein gläschen prosecco, denn weniges heilt für einen kurzen augenblick die traurigkeit besser als ein gepflegter solidarischer damenspitz an einem strahlenden frühsommernachmittag.

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seit ich be creative betreibe passieren mir ja die wundersamsten dinge. ich organisiere lesungen, werde in befreundete ateliers eingeladen, und gestern habe ich unversehens ein fotoshooting gemacht. und immer sind das die momente in denen ich sehr glücklich bin. und genauso oft fühle ich mich danach leer und verloren. vielleicht ist es ja das was man emotional hangover nennt, ich weiß es nicht. aber es zeigt mir dass das was ich da jahrelang aus meinem leben verbannt habe, nämlich selbst etwas kreatives zu machen und es mit anderen zu teilen, eine existenzielle sache für mich zu sein scheint. und dass es das berühmte premierenloch auch ohne theater gibt.

liebes tagebuch,

ich habe mich heute siebenmal beim wort “beziehung” vertippt (“bezeihung”), zwei einladungen per mail bekommen, davon eine nett und eine bizarr, beim arbeiten getrödelt, der sonne von der wohnung aus beim strahlen zugesehen, schöne musik gehört, ein bisschen über das leben nachgedacht, einmal schlecht kommuniziert, einmal besser kommuniziert, einen termin wegen der trödelei sausen lassen, und jetzt gehe ich dann essen.

herzliche grüße, affectionista.

wollte heute ein rotes kleid kaufen. bin mit drei dunkelblauen kleidern heimgekommen. die machen sich sicherlich im schrank neben den fünf anderen neuen dunkelblauen kleidern recht gut. ich weiß nicht was das für eine obsession ist mit dunkelblau, dark blue, navy. keine ahnung, ehrlich.

überhaupt: kleider. und ein rock. ich habe ja quasi mein ganzes erwachsenenleben lang hosen getragen. meistens jeans und t-shirts. irgendwie habe ich wohl immer gedacht ich könne keine kleider tragen bei meiner figur. wenn ich alte fotoalben durchschaue merke ich dass ich heute sicherlich 15 kilo mehr wiege als mit anfang 20. aber seit einiger zeit denke ich kaum mehr darüber nach und ziehe keine kleidung zum verstecken mehr an sondern welche zum herzeigen. ich trage kleider und röcke und absatzschuhe und kontaktlinsen und bekomme komplimente. das leben ist schön.

p.s.: ich kaufe übrigens sehr viel bei asos.de und topshop.com. die kleider und schuhe und überhaupt alles dort sind großartig. nur so als hinweis.

me and you and everyone we know ist einer meiner lieblingsfilme. die kurzgeschichten von miranda july haben mich hingegen nicht so vom hocker gerissen, andere projekte wie der kurzfilm are you the favorite person of anybody? oder das web- und buchprojekt learning to love you more schon.

weil ihr neuer spielfilm the future bald startet kann man sich von miranda july die zukunft orakeln lassen. zweimal pro woche, per mail. “u know how jason bourne keeps on moving, no matter what? u should too. bullet to the leg? keep going. don’t think, just go” stand da soeben in meiner mailbox. so i will be bourne. alright.

ich stehe am rand einer theaterbühne. sie ist ziemlich groß, der saal gefüllt. in der mitte der bühne stehen leute und spielen bereits. ich weiß dass ein abend mit vier oder fünf kurzen stücken auf dem programm steht. aber ich habe keine ahnung was meine rolle ist und was als nächstes kommt. geschweige denn kann ich den text. ich stehe also da, mit einem schnellhefter voller kopierter texte in den händen und warte auf den moment wo alle verstummen und mich anstarren weil ich meinen einsatz verpasst habe und ich dann immer noch nicht weiß was meine rolle ist, wie mein text geht und wann und wo ich ihn sagen soll. ich bin froh um jede minute, jeden abschnitt des stücks der vergeht ohne dass mein nichtwissen auffliegt. irgendwie ist die stimmung auf der bühne aber sehr angespannt, besonders um mich herum. plötzlich fällt aus dem schnürboden etwas herunter, es klingt wie ein schlüsselbund, aber nachdem es jemand aufhebt und mir zeigt ist es eine ca. 20 cm große massive weiß glänzende buddhastatue. ich beginne mich zu fürchten. irgendwann ist das stück vorbei, ich bin nicht aufgeflogen.
aufgewacht.

(die abstände in denen ich diese bühnenträume habe sind mittlerweile sehr groß, und in diesem fall weiß ich auch wieso ich ihn heute nacht hatte. trotzdem: es hört nicht auf sich unangenehm anzufühlen. selbst wenn die weiße buddhastatue eine interessante überaschung war.)

heuer bei der diagonale in graz viele dokumentationen gesehen. dabei einige gute die den menschen sehr nahe kommen.

auch im nachhall der unten beschriebenen aktion “zeitgeschichten” frage ich mich tage danach immer noch was ich mit meinem beruf überhaupt anfange. so viele echte geschichten sind da draußen, manche zerreißen mir das herz (die mißbrauchsgeschichte bei den zeitgeschichten zum beispiel), andere bringen mich spontan zum lachen, alle berühren sie mich, und dasselbe passiert mir bei den protagonistInnen der guten dokumentarfilme.

ich verbringe meine tage hingegen damit mich mit ausgedachten leben zu beschäftigen, mit fiktiven figuren. 90% dessen dient der unterhaltung, was ich für vollkommen berechtigt halte. die übrigen 10% gehen immerhin ans eingemachte. aber trotzdem: das echte leben ist so viel voller, reicher, unmittelbarer als das meiste des erdachten.

gleichzeitig liebe ich meinen beruf immer noch, nach sieben jahren. ich liebe die unterhaltungsfilme aus vollem herzen. aber ich merke dass ich wählerisch werde bei den projekten die ich zusätzlich annehme. ich weiß jetzt wonach ich bei neuen geschichten suche bevor ich zusage.

im grunde will ich filmstoffe lesen und sehen, die mir über die konkrete geschichte hinaus etwas über das mensch sein an sich erzählen. darüber dass menschen dieselben dinge umtreiben wie vor 3000 jahren und wie in weiteren 3000, sofern es dann noch menschen gibt und wir uns noch nicht selbst zerstört haben.

wir mögen zwar ipods und laptops mit uns herumtragen, aber im innersten geht es immer um das gleiche, davon bin ich überzeugt. die seelischen verletzungen, die emotionalen aggregatzustände, die haben sich nie geändert. der mensch ist dem menschen ein wolf, ist es immer gewesen und wird es immer sein. einer allein ist mit sich selbst beschäftigt, ab zwei wird es fragil und ab drei menschen kompliziert. und wunderschön, und harmonisch, und konfliktreich, und aufregend, und abgründig, und hasserfüllt, und all das eben was das leben ausmacht.

und genau diese geschichten will ich finden und an ihrer entstehung mitarbeiten. die erzählungen die nicht über sich selbst hinausweisen sind zwar oft auch gut und haben manchmal das bessere handwerk vorzuweisen, aber was mich wirklich interessiert ist etwas anderes. vielleicht erfahre ich dann auch in ausgedachten filmen etwas über die menschen im realen. das würde mir sehr gefallen.

die tage sind dieser tage so voll mit geschichten.

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meine eltern schreiben mir in regelmäßigen abständen briefe. im letzten schreibt mein vater “wir verfolgen die katastrophe in japan am tv. der zauberlehrling hat das codewort vergessen – und der meister kommt nicht…”. ich lese den satz mehrmals.

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ich habe letzten sommer mit meinem kurzfilm eine carte blanche in der wienstation gewonnen. am samstag veranstalte ich dort eine lesung, aber der betreiber des kunstraums hat mir den schlüssel schon am montag gegeben. seit gestern nachmittag sitze ich daher dort mit freunden und arbeite an kreativprojekten. im anschluss haben wir heute das kunstprojekt “zeitgeschichten” in der brunnenpassage besucht. schülerInnen mit migrationshintergrund die dafür ein stipenium bekommen haben führen uns zu verschiedenen menschen in der gegend um den brunnenmarkt, die uns geschichten erzählen. der erste ist besitzer eines schreibwarengeschäftes und erzählt von einer reise nach afghanistan die viele jahre her ist, und wie schwierig es damals war trotz visums und ohne schmiergeld über die grenze zu kommen. dann erzählt ein türkischer junge wie er mit 11 beim versuch erwischt wurde alkohol zu trinken, aber die mutter ihn und die geschwister nicht dem vater verraten hat der gerade von einer pilgerreise zurückgekehrt war. die nächste geschichte erzählt ein mann aus peru, der in den 1980er jahren wegen nach einem besuch in nicaragua beinahe nicht mehr nach wien zurückgekommen wäre. dann gehen wir in eine wohnung und hören eine unglaubliche liebesgeschichte, in der es 37 jahre gedauert hat bis sich zwei seelenverwandte wiedergefunden haben. und am ende erzählt eine frau ende 20 wie sie von ihrem vater sexuell missbraucht wurde.

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all diese geschichten sind aus dem echten leben. und ich frage mich in dem augenblick warum ich so viele stunden in meinem beruf aufwände um fiktionen zu erzählen wenn die wirklichen geschichten doch ohnehin bereits erlebt wurden und ihre erzählungen viel intensiver sind als die meisten drehbücher.

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wir gehen essen und sind müde. bei mir liegt es an einem hektischen tag, noch mehr aber an diesen geschichten die sich in kopf und herz abgesetzt haben. das leben ist so prall und vielfältig, ich vergesse das manchmal wenn ich zu lange und zu sehr auf mich zurückfalle.

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die zeitgeschichten kann man nochmals nächsten donnerstag in der brunnenpassage erleben. vorherige anmeldung erforderlich, es lohnt sich wirklich sehr.

mich beschäftigt ein thema zur zeit sehr. es geht um körperwahrnehmung, um diese stimme in mir, die mich degradiert indem ich mir ständig sage dass ich zu dick, zu hässlich, nicht angemessen bin.

diese stimme sagt mir sachen für die ich mich hassen würde wenn ich sie über andere menschen laut sagen würde. weil sie übergriffig, abwertend und verletzend sind. offen gestanden bin ich ziemlich erschrocken als ich mir das bewusst gemacht habe.

seit ich darüber nachgedacht habe wie absurd das ist schweigt die stimme die meiste zeit. und ich bringe ihr sogar bei, dass sie andere dinge zu mir sagt. dass ich gut aussehe, zum beispiel. und ausstrahlung habe, und intelligenz. dass ich einfach großartig bin. die wahrheit eben, und keine lügen mehr.

und heute bin ich über das hier gestolpert – “you are spectacular”. so schön.

was ich außerdem großartig finde ist der weg von anke gröner, den ich auf ihrem weblog verfolge. zusammenfassung hier. und das stichwort body acceptance, auf das ich glaube ich auch über ankes blog gestoßen bin. (danke dafür.)

ich war sechs tage in berlin. einer der ersten berlinalebesuche der mir fast durchgehend spaß gemacht hat.

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neue frisur. “ich will sowas wie in den 1920ern” sage ich zum besten aller friseure. er denkt kurz nach und beginnt zu schneiden. (er freut sich immer so, wenn er in meine locken hineinschneiden darf. am ende kommen dann tatsächlich frisuren heraus, und nicht bloß abgeschnittene haare wie früher bei den anderen friseurInnen. i heart glanz&gloria.)

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new hair do

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nach dem friseur habe ich mir ein kleid gekauft. ich weiß nicht wann ich das letzte mal ein kleid getragen habe. beim maturaball? jedenfalls veranstaltet e. in zwei wochen einen hausball, mit musik, tanz und dem ganzen rest. da kommt die 20erjahre frisur und das der zeit entsprechende cocktailkleid gelegen. und vielleicht ziehe ich danach ja öfters kleider an. man weiß nie was noch so in einem steckt.

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in berlin habe ich übrigens einen ganz hervorragenden norwegischen film namens “fjellet” gesehen.

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und dann war ich noch bei der premiere des films “die vaterlosen”. ich habe die gesamte entwicklung des projekts am rande miterlebt. als marie am ende vor der leinwand auf der riesigen bühne vom friedrichstadtpalast stand und ihr team vorgestellt hat habe ich fast geweint weil ich so stolz auf sie war.

es ist anfang februar und ich habe den eindruck es müsste mindestens mitte märz sein. als wäre schon zu viel passiert für die paar tage die das jahr 2011 erst hinter sich gebracht hat.

in irgendeiner studie die ich nicht mehr finde hat man herausgefunden dass für kinder die tage länger wirken weil sie ein anderes zeitverständnis haben. dasselbe gilt übrigens für ältere menschen die in ihrer pension beginnen völlig neue dinge zu machen. und genau darum geht es: wenn man etwas neues macht, ändert sich das zeitempfinden. wenn ich in einer routine stecke wundere ich mich wie wenig ich in den ganzen wochen gemacht habe. jetzt frage ich mich eher woher die ganzen stunden gekommen sind in denen mir subjektiv empfunden so viele sachen passieren.

vielleicht wundere ich mich warum wir immer noch erst anfang februar haben wo ich doch schon so viele sachen gemacht habe, weil ich drüben im wohnzimmer jeden tag etwas neues tue. damit meine ich keine neue technik (ich zeichne ja immer wieder), sondern neue ideen in denen ganze universen von geschichten stecken.

(das ist so toll, probiert es mal aus.)

bin heute abend einem energievampir anheimgefallen. danach kopfschmerzen, verspannungen, genervtheit. habe mich nach stunden immer noch nicht erholt und kämpfe immer noch gegen den impuls mir einzubilden ich müsse an mir “arbeiten”, weil ich ja auch mit solchen situationen und menschen zurechtkommen muss. das ist wohl so ein therapieinduziertes toleranzmissverständnis.

im beruf ist das selbstverständlich, da gehören schwierige gesprächssituationen zum professionellen alltag. ich bin ständig wachsam, am befindlichkeiten erspüren, am stimmungen abfangen, am regulieren, am motivieren, am vermitteln. und das macht auch spaß. aber privat will ich sachen auch einfach mal so stehen lassen dürfen wie sie mir entgegenschwappen ohne dass ich mich rechtfertige oder “ja, ich verstehe das” sagen muss. aber ich habe schon wieder das gefühl gehabt ich müsse mich ändern, was lernen, das gegenüber und seine befindlichkeiten akzeptieren und es als chance auf selbstreflexion sehen. dabei will ich einfach nur einmal ein paar stunden sein.

verdammt noch mal. ich ärgere mich noch immer.